TEMPLE OF(F)
- Autor*innen
- Caroline Wolf
- Betreuung
- Co-Betreuung
- Max Utech
- Datum (veröffentlicht)
- 2022
- Bild
- © Caroline Wolf
Geprägt durch eingesessene gesellschaftliche Konventionen ist die Rationalität bestimmender Faktor des urbanen Menschen. Zivilisiert ist der, der Vernunft und Moral folgt.Doch sind es auch der Exzess, der Rausch und die Wildheit, die als Quellen der Lebenslust stets mit dem Menschen einhergehen. Folglich braucht diese exzessive Energie Ventile, Orte und Gemeinschaften an denen sie zeitweise in gesellschaftsverträglicher Form auflodern kann.
Die folgende Arbeit ist eine Suche nach Charakteristika und Strategien, um eine anfängliche feine Kontur dieser Energie und der dafür verlangten Räume zu zeichnen. Keineswegs jedoch wird eine ganzheitliche Erfassung ihrer angestrebt. Die Annahme eine allgemeingültige Aussage treffen zu können ist bei solch einer subjektiven Herausforderung schlichtweg nicht möglich. Durch das Schweifen durch die Themenkontexte des Dionysischen, Mystischen, Liminoiden, des Rausches, Tumults, Spiels, Abjekts, der Antistruktur, Maskierung und Heterotopie werden Parallelen und Wesenszüge jener Wildheit herausgearbeitet und der Begriff des Off als raumtheoretische Kategorie eingeführt. Das Off kann in diesem Zusammenhang als der räumliche Pate der Exzess-Energie gelesen werden. Beide Phänomene verstehen sich als Auflehnung und Austreten aus dem gewohnten, kommerziellen urbanen Spektakel.
Um der polymorphen Bedeutung des Offs und der Exzess-Energie auch im Sinne der architektonischen Gestalt zu entsprechen, werden die Entwurfstaktiken der Bricolage und des Détournement als maßgeblich formende Werkzeuge angewandt. Der resultierende architektonische Entwurf ist als räumliche Konfiguration des Off konzipiert, ein Ermöglichungsraum zur Entladung der umschriebenen Wildheit. Der Entwurf oszilliert zwischen dem Definierten und dem Neutralen, dem Erfahrungs- und dem Ermöglichungsraum. In diesem Spannungsfeld findet der Temple Off seinen Platz.
Als Experimentierfeld wird der urbane Kontext von Paris gewählt – eine Stadt, die über ihre Dichte und momentane Transformationsprozesse einen dynamischen Nährboden für die Entwicklung des Off als raumtheoretische Auseinandersetzung und architektonische Typologie bietet. Der Temple Off nistet sich in der Nähe des Boulevard Périphérique auf einer Bahnbrache ein – umringt von Stadtentwicklungsprozessen, Infrastrukturbaustellen und einer Hochgarage. Ein wahrlich wilder Ort für einen wilden Entwurf.