Wo die schweren Hämmer dröhn[t]en
- Autor*innen
- Anna Brandl
- Betreuung
- Datum (veröffentlicht)
- 2022
- Bild
- © Anna Brandl
Über die räumlich-funktionale Entwicklung der ländlichen Gemeinde Traismauer unter Einfluss technologischer Transformationsprozesse ab dem Umbruch des Agrarzeitalters ins Industriezeitalter bis zu möglichen Zukunftsvisionen im Digitalzeitalter.
Die Digitalisierung gilt als einer der Megatrends mit Potenzial zur Veränderung ruraler Räume (vgl. Geschäftsstelle der Österreichischen Raumordnungskonferenz 2021, 27). In der räumlichen Planung sowie im kommunalen Diskurs der ländlichen, in Niederösterreich gelegenen Gemeinde Traismauer ist der Digitalisierung bisher allerdings kaum Beachtung geschenkt worden. Die Arbeit ist bestrebt, diese Lücke zu füllen, indem die Frage nach potenziellen räumlich-funktionalen Entwicklungen der Gemeinde durch den Einfluss der Digitalisierung in einen historischen Kontext eingebettet wird, um die Kontinuität der Thematik des Einflusses technologischer Transformationsprozesse begreifbar zu machen und ein umfangreiches Verständnis des Status Quo zu erlangen. Ziel ist eine zeitlich, ebenso wie räumlich holistische Herangehensweise, weshalb die Arbeit verschiedene räumliche Ebenen (Netzwerke, Stadtstruktur, Siedlungsstruktur) betrachtet.
Zur Untersuchung der räumlich-funktionalen Entwicklung der Gemeinde Traismauer, beginnend mit dem Umbruch des Agrarzeitalters ins Industriezeitalter, werden Informationen aus historischen und aktuellen Stadtplänen, Orthofotos, Bildern, Kurs- und Adressbüchern, statistischen Erhebungen zur Gemeinde, sowie von Zeitzeug*innen und aus Literatur, die sich mit dem Untersuchungsraum auseinandersetzt, ergänzt durch Informationen aus Recherche vor Ort mit allgemeinen technologischen Transformationsprozessen sowie lokalen Ereignissen in Bezug gesetzt.
Es zeichnet sich ein von technologischen Transformationsprozessen beeinflusster, struktureller Wandel der Gemeinde ab, der sich in unterschiedlicher Weise im Raum manifestiert. Während sich im Untersuchungszeitraum die lokale Erwerbsstruktur verändert und die Bedeutung der Gemeinde als Arbeitsort abnimmt, werden Austauschbeziehungen und Aktionsradien ausgeweitet und beschleunigt. Es kommt zur Veränderung und Produktion von Raumstrukturen, welche im direkten Zusammenhang mit technologischen Transformationsprozessen und deren Infrastruktur stehen – beispielsweise Industriearealen oder Kraftwerken. Zugleich tragen technologische Transformationsprozesse zum Wandel von durch Nutzungsmischung geprägten Siedlungskörpern zu funktional differenzierten räumlichen Zonen bei. Wenngleich Funktionen des täglichen Bedarfs eine räumliche Konzentration erfahren, ist zuletzt eine räumliche Streuung anderer Funktionen – insbesondere von Dienstleistungsbetrieben – über Siedlungskörper verteilt feststellbar. Gleichzeitig wachsen im Untersuchungszeitraum zunächst kompakte Siedlungskörper kurzer Wege zu aufgelockerten, durch den motorisierten Verkehr geprägten Räumen an. Ein Einfluss der Digitalisierung auf die räumlich-funktionale Entwicklung ist bisher kaum ablesbar.
Im Anschluss an die Untersuchung wird ein mögliches Zukunftsbild der Gemeinde unter Einfluss der Digitalisierung gezeichnet. Dieses setzt sich aus der Definition von Planungsmaßnahmen auf den verschiedenen räumlichen Ebenen sowie der Konkretisierung dieser in einem Entwurf für einen ausgewählten räumlichen Ausschnitt der Gemeinde zusammen. Es ist das Zukunftsbild einer Gemeinde, welche auf veränderte Anforderungen durch die Digitalisierung reagiert und deren Potenziale aktiv nutzt, um den noch offenen Möglichkeitsraum des Einflusses der Digitalisierung zu gestalten.